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5 Gen 2023

Author:
zdf

ZDF-Bericht: Expert*innen fordern vom norwegischen Staatsfonds im Kampf gegen Kinderarbeit stärkeren Einfluss auf Unternehmen zu nehmen

"Investoren "könnten viel mehr Druck machen"", 02. Januar 2022

Der größte Staatsfonds der Welt hat starken Einfluss auf Unternehmen - doch er nutzt ihn zu wenig, um Kinderarbeit in den Lieferketten zu beseitigen, kritisieren Experten.

  • Das Wichtigste in Kürze:
    • Große institutionelle Investoren können ethisches Verhalten börsennotierter Unternehmen stark beeinflussen.
    • Der größte Staatsfonds der Welt steht exemplarisch für die Macht, aber auch Zurückhaltung vieler Investoren in diesem Bereich.
    • Beobachter fordern ein wirksameres Engagement der Investoren im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit.

In der Theorie ist alles ganz einfach: Da hat sich der größte staatliche Investor der Welt ganz klare Regeln für eine verantwortungsvolle Geldanlage gegeben. In der Praxis allerdings wird es schwierig: Der etwa 1,2 Billionen Euro schwere, vom Investment-Management der Norwegischen Zentralbank verwaltete Fonds ist an mehr als 9.300 Unternehmen in 70 Ländern beteiligt und steht wegen bestimmter Investments in der Kritik:

"Norwegen, eines der reichsten Länder der Welt, profitiert durch seinen Staatsfonds von der Ausbeutung von Dutzenden Millionen Kindern, indem es in Hunderte Unternehmen investiert, die Kinderarbeit einsetzen, um Kosten zu senken und Gewinne zu steigern." Fernando Morales-de la Cruz, Menschenrechtsaktivist

Der Staatsfonds weist diesen Vorwurf zurück, musste allerdings gegenüber dem norwegischen Gesetzgeber 2021 einräumen, eine Reihe von Unternehmen im Portfolio zu haben, die in ihren Lieferketten "auf die Arbeit von Minderjährigen angewiesen sind, um Gewinne zu erzielen", wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete.

Solche Investments widersprechen nicht nur den Leitlinien des Fonds, sondern verstoßen auch gegen die norwegische Verfassung.

Großinvestor "ermutigt" Konzerne

Der norwegische Staatsfonds hat viele Milliarden Euro in Lebensmittel-Konzerne investiert und ist sich der Kinderrechtsverletzungen in den Lieferketten der Branche bewusst.

"Die Ursachen für Kinderarbeit sind komplex, und als langfristiger Eigentümer glauben wir, dass wir unseren Einfluss nutzen können, um Unternehmen im Laufe der Zeit zu beeinflussen." Line Aaltvedt, Sprecherin des Norwegischen Pensionsfonds

In Gesprächen mit Schokoladenherstellern wie Nestlé, Mondelez und Hershey‘s habe man die Unternehmen "ermutigt", "nachhaltige Beschaffungspraktiken einzuführen, einschließlich der Verbesserung ihrer Bemühungen zur Vermeidung und Bewältigung des Risikos von Kinderarbeit", wie Aaltvedt ZDFheute mitteilt. 

Investment beendet: "Schlimmste Formen der Kinderarbeit"

Ein unabhängiger Ethikrat empfehle dem Fonds zusätzlich, bestimmte Unternehmen genauer zu beobachten oder aus dem Portfolio auszuschließen. Gründe hierfür seien schwere oder systematische Menschenrechtsverletzungen. Auf Grundlage dessen beendet der Fonds auch immer wieder Investments.

In den Fällen von Monsanto und Zuari Agro Chemicals ist Aaltvedt zufolge ein "inakzeptables Risiko, zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit beizutragen" der Grund für den Ausschluss gewesen. Ein Wirtschaftswissenschaftler, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will, sagt ZDFheute, dass sich internationale Finanzinvestoren "zunehmend der Problematik der Kinderarbeit bewusst" würden: "Doch die Fortschritte sind langsam."

Er konstatiert: "Die Investoren hätten bereits viel mehr Druck auf die Industrie ausüben können, ihre Lieferketten transparenter zu machen. Heute sollte es überhaupt kein Problem mehr sein, Lieferketten lückenlos nachzuvollziehen."