Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft startet Kampagne fรผr wirkungsvolles Lieferkettengesetz
Das deutsche Lieferkettengesetz kommt. Eine Art (Wirtschafts-)Wunder, nachdem NGOs, Aktivist:innen, Bรผrger:innen, Unternehmen und Verbรคnde wie der BNW sich jahrelang fรผr Fairness per Gesetz ausgesprochen haben. Doch nur ein wirkungsvolles Lieferkettengesetz kann einen positiven Unterschied fรผr alle Beteiligten machen. Deshalb startet der BNW jetzt eine Kampagne, in der sich Unternehmen fรผr mehr Ambition beim Lieferkettengesetz aussprechen. Geschรคftsfรผhrerin Reuter kritisiert in dem Zusammenhang den gerade verรถffentlichten BDI-Verbรคndebrief als โrรผckschrittlichโ. Jahrelang habe man dort versucht, das Thema auszusitzen. โUnglaublich, dass der BDI jetzt seine massiven Lobby-Blockade gegen das Lieferkettengesetz fortsetzt โ nun mit infamen Schein-Argumenten beispielsweise aus Entwicklungspolitischer Perspektiveโ, so Reuter weiter.
Dabei ist der aktuelle Gesetzentwurf fรผr Unternehmen, die bereits jahrelang Verantwortung fรผr ihre Lieferketten รผbernehmen, nicht weitreichend genug...
โDie kรผnstliche Beschrรคnkung auf die groรen Unternehmen trรคgt aktiv dazu bei, dass KMU sich nicht das notwendige Lieferkettenmanagement als moderne Business-Disziplin aneignenโ, macht Antje von Dewitz (VAUDE) deutlich. Dabei wรคre der Aufbau dieser Kompetenz ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunftsfรคhigkeit, da moderne Konsument:innen das heute bereits von den Firmen erwarten...
Beatrace Angut Oola, Grรผnderin der Online-Vernetzungs- und Informationsplattform Fashion Africa Now [...] spricht sich ebenfalls fรผr Gerechtigkeit in der Lieferkette aus: โWenn wir รผber gerechte Lieferketten sprechen, muss unser Blick sehr viel weiter reichen als nur bis zu den direkten Zulieferern von Unternehmen. Deshalb muss ein Lieferkettengesetz auch die komplette Lieferkette umfassen. Sonst laufen wir Gefahr, dass diejenigen im Globalen Sรผden, die aktuell am meisten Diskriminieยญrung und Ausbeutung erfahren, nicht von diesem Gesetz geschรผtzt werden.โ
Ebenfalls gestรคrkt werden mรผssen aus Sicht des BNW die Standards zum Umweltschutz, die im derzeitigen Entwurf eine untergeordnete Rolle spielen und erst dann relevant werden, wenn sie sich unmittelbar auf Menschenrechte auswirken. Dazu Enrico Rima, Grรผnder des nachhaltigen Stoffanbieters Lebenskleidung und BNW-Vorstandsmitglied: โDas Lieferkettengesetz muss zu Umweltstandards verpflichten, denn eine Missachtung wird zwangslรคufig dazu fรผhren, dass Menschen unter unzumutbaren Bedingungen leben und arbeiten mรผssen.โ
Im Europaparlament stimmten 504 von 695 Parlamentarier:innen fรผr den sog. โLegislativbericht รผber menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfaltspflichten von Unternehmenโ. BNW-Geschรคftsfรผhrerin Dr. Katharina Reuter dazu: โInhaltlich geht das weit รผber den deutschen Entwurf hinaus. Der EU-Bericht beinhaltet die Einbeziehung von weitaus mehr Unternehmen, beantwortet mehr Umweltfragen und umfasst Bestimmungen zur zivilrechtlichen Haftung โ allesamt Punkte, die auf Druck von BDI, BDA und DIHK aus dem deutschen Gesetzesentwurf gestrichen wurden.โ Reuter weiter: โAuch das deutsche Lieferkettengesetz muss dafรผr sorgen, dass die unternehmerische Verantwortung kรผnftig nicht mehr auf dem Betriebsgelรคnde endet, sondern die ganze Wertschรถpfungskette umfasst.โ
Der BNW ruft weitere Unternehmer:innen auf, unter dem Hashtag #transparenteswirtschaften zu erklรคren, wieso das Lieferkettengesetz zu transparenterem Wirtschaften fรผhrt.